29. März 2026

Was passiert im Nervensystem, wenn du trauerst?

Willkommen zu Trauer & Nervensystem – Wenn alles zu viel ist. In dieser Blog schauen wir gemeinsam darauf, was in deinem Inneren passiert, wenn du trauerst. Viele Menschen erleben in dieser Zeit Momente, in denen sie sich wie betäubt fühlen, überreizt sind oder kaum noch Zugang zu sich selbst haben. All das hat viel mit deinem Nervensystem zu tun — und genau das möchte ich dir heute verständlich machen. Ich spreche darüber, warum du dich manchmal wie ‚neben dir‘ fühlst, warum dein Körper in Alarmbereitschaft geraten kann und welche Prozesse im Hintergrund ablaufen, wenn Trauer dich überfordert. Und vor allem: wie du Schritt für Schritt wieder mehr innere Sicherheit finden kannst.

Wenn wir trauern, verändert sich nicht nur unser Herz, sondern unser ganzes Nervensystem. Viele Menschen beschreiben, dass sie sich wie „neben sich“ fühlen, dass sie innerlich unruhig sind oder dass alles zu viel wird. Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Du funktionierst irgendwie, aber du bist nicht wirklich da. Oder du bist ständig angespannt, obwohl du eigentlich nur Ruhe möchtest.

Um zu verstehen, warum das passiert, lohnt sich ein Blick auf das Nervensystem selbst. Dein Nervensystem ist das innere Kommunikationsnetz deines Körpers. Es verbindet Gehirn, Organe, Muskeln und Sinne miteinander und sorgt dafür, dass du auf die Welt reagieren kannst. Es entscheidet, ob du dich sicher fühlst, ob du entspannen kannst oder ob dein Körper in Alarmbereitschaft geht.

Wir brauchen dieses System, um zu überleben: Es schützt uns, warnt uns, lässt uns handeln, wenn etwas Bedrohliches passiert. Gleichzeitig ist es auch dafür da, uns wieder zu beruhigen, wenn die Gefahr vorbei ist — damit wir essen, schlafen, denken und fühlen können.

In Zeiten der Trauer gerät dieses System jedoch oft aus dem Gleichgewicht. Der Verlust, der Schmerz, die Überforderung: All das wird vom Nervensystem wie eine anhaltende Bedrohung wahrgenommen. Und dann bleibt der Körper in Zuständen hängen, die eigentlich nur für kurze Momente gedacht sind — Anspannung, Alarm, Rückzug oder völlige Erschöpfung.

Wenn du dich also wie ‚neben dir‘ fühlst, wenn du kaum Kraft hast oder innerlich ständig angespannt bist, dann liegt das nicht daran, dass du etwas falsch machst. Es ist dein Nervensystem, das versucht, dich zu schützen — manchmal eben heftig und lange.

Damit es wieder ein wenig mehr zur Ruhe finden kann, möchte ich mit dir jetzt eine kleine, sanfte Übung machen, die den Vagusnerv anspricht und deinem Körper hilft, sich zu beruhigen.Der Vagusnerv ist einer der wichtigsten Nerven in deinem Körper. Er verbindet dein Gehirn mit deinem Herzen, deiner Atmung und deinem Bauchraum. Man kann ihn sich wie eine innere Beruhigungsleitung vorstellen: Er hilft deinem Körper zu spüren, wenn etwas sicher genug ist, um wieder etwas weicher und entspannter zu werden. Wenn der Vagusnerv gut arbeiten kann, wird der Atem ruhiger, der Herzschlag gleichmäßiger, und dein Körper kann sich ein Stück weit entspannen. In Zeiten der Trauer ist dieser Nerv oft überfordert, weil so viel Schmerz, Stress und Erschöpfung im System sind. Deshalb können Übungen, die den Vagusnerv ansprechen, deinem Körper helfen, wieder mehr Stabilität und innere Ruhe zu finden.

Für diese Übung brauchst du nichts weiter als einen kleinen Moment Zeit. Setz dich bequem hin oder bleib liegen, so wie es für dich am angenehmsten ist.

Lege eine Hand auf deinen Brustkorb und die andere auf deinen Bauch. Atme einmal ganz normal ein … und lass die Ausatmung etwas länger werden als die Einatmung. Du musst nichts erzwingen — nur ein sanftes Verlängern, so wie es dir möglich ist.

Dann bring deine Aufmerksamkeit zu den Muskeln rund um deine Augen. Lass deinen Blick weich werden, als würdest du in die Ferne schauen, ohne etwas Bestimmtes zu fokussieren. Diese Weichheit im Blick signalisiert deinem Vagusnerv: Es ist gerade sicher genug, um ein wenig Anspannung loszulassen.

Wenn du möchtest, füge eine kleine Bewegung dazu: Dreh deinen Kopf nicht, sondern schau nur mit den Augen langsam nach rechts. Halte den Blick dort für zwei, drei Atemzüge — ohne Anstrengung. Dann lass die Augen wieder zur Mitte zurückkommen. Und danach langsam nach links. Auch hier zwei, drei Atemzüge bleiben.

Diese sanfte Augenbewegung aktiviert einen Teil des Vagusnervs, der deinem Körper hilft, aus der inneren Alarmbereitschaft herauszufinden. Vielleicht spürst du ein kleines Seufzen, ein Schlucken oder ein bisschen Wärme im Brustkorb. Das sind Zeichen dafür, dass dein Nervensystem beginnt, sich zu regulieren.

Komm dann wieder zur Mitte zurück und atme einmal tief ein … und langsam aus. Mehr musst du nicht tun.

Mit der Zeit — und mit kleinen Momenten von Ruhe, Atem, Bewegung und Verbindung — kann dein Körper wieder lernen, sich sicherer zu fühlen. Nicht sofort. Nicht linear. Aber Schritt für Schritt.

Und wenn du möchtest, findest du auf meinem YouTube-Kanal auch ein Bewegungsvideo, das dir hilft, genau diese innere Sicherheit wieder aufzubauen. Es heißt Kleine Übung für innere Sicherheit- Ich schicke dir auch gern Übungen für dein Nervensystem – schreib mir einfach unter trauerbewegen@gmail.com

Und denk daran, Du bist nicht allein in deiner Trauer. Lass uns gemeinsam Wege finden, wie sie in deinem Leben Platz haben darf.

Danke, dass du da bist. Deine Marianne

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